Überblick über die Muttersprache Jesu Christi / von Agnus D. / anno domini 2005
DAS ARAMÄISCHE
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Über dreitausend Jahre Israel
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Das Aramäische wird bald untergehen
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Papst Gregor HL war Aramäer und sprach so
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Er beauftragte Bonifatius Germanien zu missionieren
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Die Geschichte des Aramäischen
Viele Leute vermuten, dass Jesus von Nazareth das Hebräische gesprochen habe. Doch war diese Sprache den Juden bereits 500 Jahre vorher im Babylonischen Exil durch sprachliche Assimilierung verloren gegangen. Aus den christlichen Überlieferungen wissen wir, dass die Muttersprache von Jesus das Aramäische gewesen war. Diese vergleichsweise sehr alte Sprache existiert bis in unsere Tage, und befindet sich gegenwärtig noch in der syrisch-orthodoxen Kirche im Gebrauch.
Aus dem Markusevangelium haben wir die Kenntnis, was die letzten Worte Jesu am Kreuz gewesen waren. Sie waren von ihm in aramäischer Sprache gesprochen worden. So heißt es ja in Markus 5,41: „Eloi, Eloi, lema sabakhtani" (das bedeutet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen). Und weiter in Markus 5,41 spricht Jesus das gestorbene kleine Mädchen mit den Worten „Talita qum" (Mädchen, erhebe dich!) an. Zusätzliche Hinweise auf das Aramäisch - als die damals gebräuchliche Sprache der Juden - finden sich noch darüber hinaus im Alten Testament.Man glaubt es kaum, aber aramäische Worte sind auch in die Deutsche Sprache eingeflossen. Wir kennen aus der Bibel das den babylonischen König Belsazar Unheil verkündende an der Wand erscheinende Zeichen als „Menetekel". Diese als ein böses Omen erschienenen geisterhaften Orakelworte ereigneten sich während eines Festmahls des Königs, und konnten der Überlieferung gemäß allein vom Prophet Daniel (Dan 5,25) gedeutet werden. So interpretierte er das „MENE" als: die Tage der Königsherrschaft sind gezählt, sowie das „TEQEL" als: er ist gewogen und zu leicht befunden, und das „U-PARSIN" als: das Reich wird geteilt werden.
Wir ahnen es schon, das Menetekel ist in aramäischer Sprache verfasst. Diese alte Sprache ist ebenso wie das Hebräische Teil der semitischen Sprachfamilie, welcher ja sowohl das Arabische als auch das Amharische in Äthiopien angehören. Die Bezeichnung "Aramäer" des gleichnamigen Volkes leitet sich von Aram her, welcher gemäß der Bibel bei 1Mo 10,22 ein Sohn des Sem ist. Des weiteren wird Aram in der Bibel zudem noch bei 1Mo 22,21 / 1Chr 1,17 / Hos 12,13 / Mt 1,3 / Mt 1,4 und Lk 3,33 namentlich genannt.
Den Fundstücken der Archäologie bzw. erhaltenen Schrifttafeln und Schriftrollen zufolge siedelten die ersten Aramäer schon im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Gebieten zwischen Euphrat und Tigris, dem so genannten Zweistromland, bzw. im heutigen Irak. Insbesondere wurden sie in sehr gut erhalten gebliebenen Keilschriften - aus den Tontafel-Bibliotheken assyrischer Könige - genannt. Zur damaligen Zeit gründeten die Aramäer kleinere Stadtstaaten innerhalb Mesopotamiens, bzw. dem Gebiet des heutigen Syrien und Irak, mit der syrischen Stadt Damaskus als ihrem geistigen, kulturellen, technischen und wirtschaftlichen Kern.
Dort wurde das Aramäische in einer simplen phonetischen aber fortschrittlichen Lautschrift geschrieben, so dass sie die ihr vorangegangenen Schriftarten wie die sumerische Keilschrift und die ägyptischen Hieroglyphen abzulösen vermochte. Von dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert an fand das Aramäische in den einzelnen Reichen des Vorderen Orients eine zunehmende Verbreitung, weswegen es im Laufe der Zeit das Hebräische als Umgangssprache der Israeliten verdrängte. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass etliche Urtexte des Alten Testamentes auf Aramäisch verfasst worden waren, wie z.B. Abschnitte der Schriften Hiob, Esra und Daniel. Indem es noch zur Zeit Jesu die allgemeine Verkehrssprache der Israeliten war, und Jesus ja dieser Volksgemeinschaft angehörte, war seine Muttersprache eben das Aramäisch.
Das aramäische Volk
Die Aramäer als direkte Anrainer Israels interessierten sich schon sehr früh für die christliche Botschaft Jesu, die sie als eine der ersten zum Glauben annahmen. Dementsprechend ist in der Apostelgeschichte 11,26 davon die Rede, dass die Jünger Jesu zuerst in der syro-aramäischen Hafenstadt Antiochia Christen genannt wurden. Des weiteren ließ sich 176 n.Chr. Abgar VIII., ein einflussreicher Herrscher des aramäischen Kleinststaates Edessa (bzw. Shanli-Urfa in der heutigen Türkei), zum Christen taufen. Auch wurde eine erste vollständige Übersetzung der frühchristlichen Schriftensammlung - als Vorläufer der heutigen Bibel - im vierten Jahrhundert in Edessa in Altsyrisch, einem aramäischen Dialekt, vorgenommen. Auf diese Weise wurde er quasi zur Kirchensprache der aramäischen Christenheit, und konnte dadurch bis in die heutigen Zeiten hinübergerettet werden. Ihrem hohen kulturellen Standard gemäß gründete das Aramäervolk bereits schon im 4. Jahrhundert christlich-theologische Schulen in Antiochien, Beirut, Edessa und Nisibis (heute auch in der Südost-Türkei). Von Edessa aus - als ihrer Basis - sandten sie ihre Missionare bis weit nach Asien hinein. So hatte bekanntlich der Apostel Thomas bei seiner Reise nach Indien dort christliche Gemeinden gegründet.
Die treue Verbundenheit der Aramäer zum Christentum kommt darin sehr deutlich zum Ausdruck, dass sie sechs Päpste stellen konnten: so Anicetus (155-166), Johannes V. (605-686), Sergius I. (687-701), Sisinnius (708), Konstantin I. (708-715) und Gregor HL (731-741), der Bonifatius, den Apostel der Germanen, bzw. frühen Deutschen, sehr unterstützte. Insbesondere war es die ländliche Gegend um Tur Abdin im Südosten der Türkei gewesen, welche sich bis zum Erscheinen des Islams zu einem Zentrum des christlichen Glaubens und Lebens entwickelte; Diese im Laufe der Zeiten durch die Ausbreitung des Islams immer mehr in Vergessenheit geratene Landschaft befand sich so ungefähr ab 400 n.Chr. im Mittelpunkt des orientalischen Christentums, und hielt sich insgesamt über tausend Jahre lang.
Die arabisch-islamische Eroberung Vorderasiens ab 700 n.Chr. ist der Grund, weswegen das Aramäische vom Arabischen verdrängt worden ist. Doch trotz islamischer Vorherrschaft und Bevormundung konnte sich das Aramäische im Kern behaupteten, wobei diese Christen griechische Schriften bedeutender Philosophen in das Arabische übersetzten, und so vor ihrem Untergang und Vergessen bewahrten.Trotz aller verzweifelten Gegensteuerungen der Christen des Vorderen Orients wurde ihre Religion von den mit Feuer und Schwert agierenden Islamverbreitern an den existenziellen Rand gedrängt. Die Aramäer und andere christliche Minderheiten leben seither - abgesehen vom kurzen Intermezzo mittelalterlicher Kreuzfahrerstaaten - unter strenger islamischer Regentschaft. In den Anfängen des 20. Jahrhunderts fielen die Aramäer zusammen mit den Armeniern den von den Türken verübten Völkermorden zum Opfer. Dennoch war es ihnen gelungen, sich im Tur Abdin ein geschlossenes christliches Siedlungsgebiet zu bewahren. Mit dem Zuzug der Gastarbeiter ab etwa 1955 nach Westeuropa und in die BRD, sowie infolge des Bürgerkriegs zwischen der PKK und der türkischen Armee, wird der Tur Abdin von den dortigen Christen zunehmend verlassen. Derzeit leben nur noch etwa 2000 von ihnen in ein paar Dörfern. Mit Unterstützung der Regierung in Ankara wollen neuerdings einige der nach Westeuropa ausgewanderten Aramäer wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren. Jedoch macht ihnen die inzwischen dort zerschlagene Infrastruktur eine Rückkehr praktisch unmöglich.
Immerhin sind aber gut 60 000 Aramäer bei uns in Deutschland heimisch geworden. Weder hier im Exil noch in ihrem fernen Heimatland gibt es deswegen für ihre jesuanische Sprache eine Zukunft. Wenn jetzt nicht noch von irgendwoher ein ethnischer Zusammenschluss zur Erhaltung der aramäischen Volksgemeinschaft erfolgt, wird ihr Aramäisch nach einer wechselvollen über dreitausendjährigen Geschichte in nurmehr wenigen Jahrzehnten als eine lebendige gesprochene Sprache ausgestorben sein. Verschwunden sein wird damit ebenso ein letztes die Zeit und Geschichte überdauert habendes Stück von Jesu einstiger Identität.
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